Comments Policy on Feminist Blogs
Paula, 23. 09. 08|13:SepVielleicht hatte ich erwähnt, dass ich vor ungefähr einem Jahr zum Genderblog-Team dazugekommen bin. Es ist ein deutschsprachiges feministisches Blog, das interessanter Weise von einem Mann betrieben wird. Viel habe ich dort nie geschrieben, hauptsächlich wegen den Kommentatoren die ungefähr so aufgeklärt sind wie das, chemisch gesprochen, was übrig bleibt wenn man eine Reaktion zu Tode destilliert hat. Viele der Kommentare kommen von patriarchal verblendeten Männerrechtlern, die am liebsten Bingo spielen. Das erstickt, wie ihr vielleicht wisst jede feministische Diskussion bereits im Keim. Der Grund aber, warum ich überhaupt gebeten wurde im Genderblog zu schreiben, war, dass ich in einem anderen deutschsprachigen feministischen Blog bemängelte, dass es keinen Ort für wirkliche feministische Unterhaltungen gibt. Anscheinend sollte dieser Ort nicht das Genderblog gewesen sein. Rochus Wolff hat sich dazu entschlossen die Kommentare zu schließen, vor allem weil er nicht die Feminismus-Polizei sein will.
Der Grund warum ich das hier erzähle ist nicht, dass ich euer Mitleid wegen der bösen Männerrechtler auf feministischen Blogs haben will. Die meisten von euch die ein eigenes schreiben, oder eines häufiger besuchen kennen das Phänomen. Ich erzähle davon, weil mich die Art wie die deutsche Blogosphäre mit Kommentaren, Kommentarspam und Trollen umgeht vor Rätsel stellt. Die größte Sorge der bekannteren Blogger scheint zu sein, dass man ihnen Zensur vorwirft. Einer deutschen Zensur vorzuwerfen ist auch eine sehr dicke Keule. Wir sind immer noch traumatisiert von der Zensur im dritten Reich und in der DDR. In der Tat benutzen viele Trolle genau diesen Vorwurf um ungeneigte Blogger dazu zu bewegen ihr Gefasel zu veröffentlichen. Als Konsequenz dessen entwickelt sich auf Blogs wie dem Genderblog kaum eine Diskussion die feministisches Verständnis und Theorie voranbringt. Kommentarspalten bleiben so auf dem Niveau eines Feminism 101 Blogs. Aber ich bin ja gekommen um genau diesen verhinderten feministischen Diskurs zu finden. Am Anfang dachte ich, dass ich nun da die Kommentare ausgeschaltet sind wieder beim Genderblog bloggen will, aber ich bin immer noch demotiviert. Ich sehne mich nach einer fruchtbaren feministischen Diskussion[1]. Ich glaube fest daran, dass man, wenn man seine Kommentatoren gut behandelt und respektvolle Diskussionen fördert, weniger Trolle und mehr Kommentare hat. Am Anfang braucht das ein bisschen Pflege, oder auch ein bisschen mehr.
Die Frage ist nun: Was ist eine gute Moderationsstrategie? Ich persönlich glaube an die „mein Blog-mein Recht“-Strategie. Mit der Zeit mögen die Diskussionen vielleicht ein bisschen in die eine oder andere Richtung überwiegen und so manche andere Ansätze ausschließen, ABER jede Person die in der Lage ist endlose Tirade in Kommentaren zu schreiben, ist auch in der Lage ein eigenens Blog zu schreiben und Trackbacks zu schicken. So muss ich mich nicht mit dem Kommentar auseinander setzen wenn ich das nicht möchte. Ein Blog wird nie jede Seite eines Themas beleuchten, nichtmal kommerzielle Medien tun das. Es ist vergeblich es zu versuchen. Indem wir das anerkennen nehmen wir eine ganz große Last von den Schultern der Moderatorinnen.
Für mich läuft es auf diese Regel hinaus: Kommentare sollten immer dazu dienen die Diskussion voran zu bringen. Sie sollten logische Trugschlüsse und Totschlagargumente vermeiden. Sie sollten respektvoll sein und Beleidigungen vermeiden[2]. Auf der anderen Seite sollte die Moderation im Zweifel für den angeklagten, den Kommentar frei schalten, so dass ehr ein trollischer Kommentar stehen bleibt, als dass legitime Sorgen und Fragen gelöscht werden.
- wie sie in einigen amerikanischen feministischen Blogs praktiziert wird, z.B. Shakesville und IBTP [↩]
- der gelegentliche Fluch ist damit nicht gemeint [↩]
6 Reaktionen auf “Comments Policy on Feminist Blogs”
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am 23. 09. 08 um 15:23
There seems to be a basic disconnect in some people’s head about freedom of the press. Freedom of the press is about the freedom to run a press without interference from the state: it says absolutely nothing about what a private person chooses to publish on their private press.
There is no obligation whatsoever upon a press run by private persons to publish any content they find unacceptable for whatever reason. That’s not censorship, that’s editing.
am 23. 09. 08 um 22:23
I agree with you about my blog, my discretion. It’s your blog and if someone doesn’t like your comment policy, they can just move along. At least that’s my fault. And I agree with tigtog. It’s editing.
am 24. 09. 08 um 0:24
Paula, thanks for your entry and your thoughts. Some remarks from my perspective:
My reason to close the comments on the Genderblog is not “mostly because he doesn’t want to be the feminism-police”. I wrote that in a twitter reply to you, and it still stands, but it needs to be clarified. Not wanting to be the “feminism-police” means that I find it notoriously hard to decide what’s feminist and what not. Of course MRAs and their bullshit are not the problem, but one will have to draw a line somewhere, and drawing that line is a rough task, and one I haven’t been willing to do in the past.
That might change, though. Right now, I’ve shut off the comments because they were simply too much of a hassle, and a enraging one at that. For reasons that have nothing to do with the blog itself, however, (and everything with my blooming life offline) I currently just don’t have the time to delve into this matter and think about a new way to have discussion and comments at the Genderblog.
Because, yes, I’m all for them. Let me have comments and discussion; to have a feminist discussion on topics of feminist interest. I do, however, also think that serious and well-thought-out differing opinions should also have their place; because feminism (or rather: feminisms, in all their difference and glory) is (are) not without flaws, and controversies can only help to get rid of them.
What we had at the Genderblog was, as you mentioned, everything but useful and serious controversies; it was name-calling and anti-feminist ranting. I won’t have that any more.
am 24. 09. 08 um 0:24
Oops, sorry, there’s half a sentence missing I wanted to write… Here goes again:
Because, yes, I’m all for them. Let me have comments and discussion; to have a feminist discussion on topics of feminist interest was one of my reasons for starting the Genderblog in the first place.
Also, by writing that “MRAs and their bullshit are not the problem” I meant, of course, that they can be easily recognized as anti-feminist and their comments blocked and moderated.
Sorry about that. It’s late, my English is rusty, and the littlest one only just fell asleep.
am 24. 09. 08 um 8:24
“Not being the feminist-police” has, as far as I understand, the conotation that you describe in your explanation. I, personally, do find it rather easy to delet trolls. Like that second comment below my last. I understand that you probably have nicer things to do than commentsmoderation. :) So, no disagreement from me. I was trying to make a broader point about comments policy in german blogs though, as well.
And by the way, always feel free to write comments in german. Thats why I have the two versions of the articles.
am 26. 09. 08 um 10:26
[...] hinterlegt hatte, sind nicht durchgekommen. Ich möchte darum noch mal auf Jokerines Post zur Kommentarpolitik auf feministischen Blogs hinweisen, den sie anlässlich der Schließung der Kommentare auf dem Genderblog geschrieben hat. [...]