[Los gehts 2009] Vorüberlegungen
Paula, 05/28/09|02:18 pm
mit CC-Lizenz von kevindooly; has a very interessting post with the photo (klick on picture takes you there)
Über das lange Pfingstwochenende fahr ich mit ein Paar FreundInnen zum Los Gehts Treffenn 2009. Das ist ein Treffen das alle paar Jahre von den politischen Kommunen Deutschlands ausgerichtet wird. Dort treffen sich allerlei Menschen die sich für alternative Zusammenlebensweisen interessieren zum Austausch, zum Gründen von neuen Projekten und überhaupt um Gleichgesinnte zu treffen. Ich bin zwar noch lange nicht so weit in eine Kommune einzutreten, aber ich erhoffe mir neue Einsichten und neue Impulse für mein Leben. Das ist grund genug darüber zu bloggen. Da ich aller wahrscheinlichkeit nach kein Netz auf dem Treffen haben werde kommen die Berichte erst hinterher.
Die Idee der Kommune ist recht alt, schon während der Reformation lebten verschiedene religiöse Gemeinschaften unter den Grundsätzen der gemeinsamen Ökonomie, der Freiheit von Hirarchien und dem Konsensprinzip. Moderne Kommunen versuchen dazu noch möglichst nachhaltig zu leben. Bei den berühmten 68ern und den Hippies ist die Idee mitte letzten Jahrhunderts wieder aufgekommen. In der Grünen Jugend haben wir mehre Beschlüße und Diskussionen zu alternativen Lebensmodellen gehabt die allerdings ehr in die Richtung Familienvertrag gehen. Eine Kommune kann natürlich als Familie aufgefasst werden, aber nach allem was ich dabei bisher gehört hab ist das ehr selten der Fall. Daraus ergibt sich natürlich die erste zu klärende Frage: Wie beschreiben KommunardInnen ihre Beziehung? Ist es eine Art Familie, oder Klan?
Ich selber verstehe mich als introvertierten Menschen der gerne seinen eigenen Platz hat und sich auch gerne mal zurückziehen kann. Fehlt mir aber über einen längeren Zeitraum gehaltvolle menschliche Interaktion empfinde ich das aber auch wieder als sehr krass. Mit meinen bisherigen Mitbewohnern bin ich immer ein bischen aneinander geraten weil ich eine andere Vorstellung von Wohnraumgestaltung hatte als sie, ich habs gerne gemütlich. In der einen Wohnung hat mir auch ein wenig der Rückzugsort gefehlt. Ich kann mir nicht vorstellen in einer Gemeinschaft zu leben in der ich gar keinen eigenen Platz habe. Wie ist das in den Kommunen gelöst?
Das Konsensprinzip finde ich auch sehr spannend. Es bindet direkt in die Hirarchiefreiheit ein. Es gibt keine Vorstände, oder Oberhäupter die entscheiden. Entscheidungen werden nicht abgestimmt und nach der Mehrheit entschieden sondern im Konsens. D.h. solange jemand Bedenken, oder Kritik äußert fällt eine Entscheidung negativ aus, oder wird verschoben. JedeR muss entweder zustimmen oder seine Bedenken für sich behalten. Auf diese Art und Weise werden auch Minderheiten berücksichtigt, was gut ist. Allerdings ist das System auch nicht immun dagegen, dass schwache Mitglieder einfach untergebuttert werden. Entscheidungsprozesse dürften so sehr langwierig sein, aber sichern auch ehr die nachhaltige gemeinsam getroffene Entscheidung. Wie gut funktioniert das denn? Oder gibt es auch hier unterschwellige Hirarchien?
Eine andere Frage: Welche Ähnlichkeiten gibt es zwischen KommunardInnenleben und Leben in Matriarchaten?
Am faszinierendsden für die meisten Menschen die von aussen auf eine Kommune blicken ist der Aspekt der gemeinsamen Ökonomie und des damit zusammenhängenden Bedarfsprinzips. Ich habe mir dazu schon auch meine Gedanken gemacht, da ich im allgemeinen eine Person bin die sehr an Dingen hängt. Ich versuche wenig auf meine spontanen Besitzimpulse zu geben und habe mir das shoppen auch fast abgewöhnt, aber ab und zu brechen die alten Muster durch. Oft fällt es mir schwer Dinge herzugeben, oder sie durch andere gefährdet zu sehen.
Ich benutze gerne Dinge und habe sie gerne verfügbar wenn ich sie benutzen will. Natürlich brauche ich sie nicht immer und kann bei weitem nicht alle gleichzeitig benutzen. Was ist also der Grund dass ich so argusbeäugt über meine Besitztümer wache?
Besitzt ein Anderer Etwas, ist meine Nutzung dieses Etwas ausgeschloßen. Mein Besitz sichert dass ich Etwas nutzen kann. Das ganze wird dadurch aufgeweicht, dass man FreundInnen gerne Bücher und sonstiges leiht, hier herrscht das Vertrauen, dass man seinen Kram wieder bekommt, dass der Besitz nicht in Frage gestellt wird. Dieses bestehen auf exclusive Nutzung erzeugt viel Überfluß in unserer Gesellschaft. Ebenso das Bedürfniss immer etwas neues zu haben, statt dass wir unseren Bedarf an Erneuerung durch ein rotierendes Zeugsystem decken.
In Beziehungen ist das ja ähnlich. Wenn ich wüßte dass eine andere intime Beziehung meine intime Beziehung zu meinem Partner nicht in Frage stellt, dann hätte ich damit überhaupt kein Problem, keine Bedarf an Eifersucht. Ich habe ja schonmal darüber geschrieben, dass wir ein Problem damit haben, dass wir Menschen besitzen. Exklusivität kann hier zu allen möglichen Spannungen führen zu Einsamkeiten und Misgunst. Anders als viele Menschen glaube ich nicht, dass ein Mensch all unsere emotionalen Bedürfnisse decken kann und dass Beziehungen wenn sie kaputt gehen, daran kaputt gehen, dass sich die PartnerInnen überfordert fühlen. Auch die serielen Monogamisten unter uns könnten das bestätigen. Logisch wäre es mehre Beziehungen zuzulassen. Das geht natürlich nicht nach dem Egoprinzip “jeder macht was er will” sondern muss sich Vertrauen und gemeinsam gefundenen Regeln unterwerfen. Wie schaffend die KommunardInnen es sich eine besitzfreie Zone, eine gemeinsame Ökonomie zu schaffen in einer Welt die sich ausschließlich über Besitz definiert?
Fragen über Fragen, was fällt euch dazu ein, oder habt ihr vielleicht auch Antworten?
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am 3. 06. 09 um 20:3
[...] war es wohl ein glücklicher Zufall, dass wir mit Paula (und später auch Lukas) ins Gespräch über unsere Kommune-Erfahrungen kamen. Wir haben uns [...]