[Feminism] Warum Heteronormativität fürn Arsch ist

Paula, 25. 11. 08|17:Nov
mit CC-lizenz von kalandrakas

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Heteronormativität ist ein System um Menschen in genau zwei Kategorien zu teilen, Männer und Frauen. In diesem System haben Männer männliche Geschlechtsmerkmale, eine männliche Geschlechtsidentität, männliches Verhalten, begehren Frauen und werden Väter. Frauen haben weibliche Geschlechtsmerkmale, eine weibliche Geschlechtsidentität, weibliches Verhalten, begehren Männer und werden Mütter.

Männer und Frauen sind Gegensätze. Jeder männlichen Eigenschaft wird eine Weibliche gegenübergestellt die dieser diametral gegenüber steht. Männlich schließt Weiblich aus. Aus diesem Denkmuster heraus werden aber nicht nur Eigenschaften und Personen in einen starren Dualismus gezwängt, sondern auch alles andere in der Welt. Exemplarisch dafür ist das asiatische Konzept des Yin und Yangs. Menschen von denen man nichts weiß wird pauschal die ihrem Äußeren entsprechende Kategorie zugeordnet. Verhaltensweisen gegenüber allen Personen werden massiv durch das normative Schema geprägt.

Und wo ist das Problem? In dieses extrem einfache Schema passen nur die wenigsten Menschen hinein. Einige werden passend gemacht, Andere werden ausgegrenzt, oder marginalisiert. Ihre Lebensweisen werden verboten, oder als minderwertig abgetan. Das trifft Menschen die nicht ihr Gegenteil begehren, das trifft Menschen die sich nicht in die ihnen zugeordneten Verhaltensmuster einordnen, das trifft Menschen die sich nicht mit dem Geschlecht ihres Körpers identifiziern und es trifft Menschen die mit mehr als einem Geschlecht, oder gar keinem geboren werden.

Ich habe das Glück, dass ich mit vielen Aspekten des heteronormativen Systems gut leben kann, aber auch ich stoße Regelmäßig an seine Grenzen. Ich stoße mir den Kopf an stereotypen Erwartungen und an Anfeindungen ob meiner Unweiblichkeit. Ich ecke an, immer wieder.

Aber ich werde auch bewusst weiterhin anecken. Das System ist überholt, es erfüllt keine Funktion, ist toter Balast. Wir werden uns davon befreien, früher oder später.

17 Reaktionen auf “[Feminism] Warum Heteronormativität fürn Arsch ist”

  1. Diana
    am 25. 11. 08 um 19:25

    Wenn ich gerade eine Stunde mehr Zeit hätte als ich gerade habe, weil mich meine idealistischen Pflichten nach Haslach rufen, würde ich dir jetzt einen langen Kommentar über Kultur, Enkulturation, Identität und den Zweck von Stereotypen schreiben.

    Später. :o) Für den Moment muss reichen dass dieses System durchaus Sinn macht… in einer ganz bestimmten Form. Was Diskriminierung allerdings nicht rechtfertigt.

  2. Jokerine
    am 27. 11. 08 um 10:27

    Ich wüsste gern mehr. der Normativitätsteil bedingt doch quasi Diskriminierung, oder etwa nicht?

  3. Lukas
    am 27. 11. 08 um 17:27

    Ich muss dir völlig Recht geben, denn ich finde es selbst sehr schwierig in Kategorien gequetscht zu werden auf deren Definition ich keinen oder nur ganz marginalen Einfluss habe. Ich will nicht als auf Grund von wie auch immer entstandenen Schemata beurteilt werden, sondern als Individuum angesehen werden.

  4. Lukas
    am 27. 11. 08 um 17:27

    noch was komplett off-topic: ich finds cool, dass du dir immer die mühe machst, zu den blogeinträgen ein passendes bild rauszusuchen

  5. tobi
    am 28. 11. 08 um 11:28

    Ich verstehe was du meinst, aber ich kann dir nicht ganz zustimmen. Die Belegung diverser Eigenschaften mit dem Attribut “männlich” oder “weiblich” ist etwas, dem ich auch nicht zustimme.
    Aber die einfache Belegung der Begriffe “männlich” und “weiblich” sind notwendig. Ich bin männlich, also gehe ich auf die Männertoilette. Oder zB. das eine ist eine männliche Erdbeerpflanze, das andere eine weibliche Erdbeerpflanze. Die Beschreibung eines Organismus als männlich oder weiblich ist in manchem Kontext einfach unerlässlich. Es ist nicht “männlich” oder “weiblich” das, was Probleme bereitet; es ist die Assoziation mit Eigenschaften, Verhaltensweise und Gefühlen die wir in der modernen Welt haben. Trotzdem bleibt für mich zB. der Mutterinstinkt eine weibliche Eigenschaft.
    Ist jetzt ein wenig kompliziert ausgedrückt, aber ich hoffe du verstehst mich.

  6. Jokerine
    am 28. 11. 08 um 13:28

    @tobi
    Klar der Begriff “männlich” wie der Begriff “weiblich” haben ihre Berechtigung wenn man die für die Fortpflanzung wichtige biologische Eigenschaft benennen will.

    Allerdings ist eben genau das was du beschreibst schwierig, die Assoziation mit anderen Eigensschaften. Ich habe auch nichts per se gegen die Assoziation von Muttergefühlen mit weiblich, sondern ehr mit der Assoziation von biologischer Weiblichkeit mit der sozialen Weiblichkeit. Oder anders ausgedrückt, es ist schade dass nicht alle Menschen männliche und weibliche Teile haben können.

  7. Missingno.
    am 29. 11. 08 um 12:29

    The most thoroughly and relentlessly Damned, banned, excluded, condemned, forbidden, ostracized, ignored, suppressed, repressed, robbed, brutalized and defamed of all Damned Things is the individual human being.
    The social engineers, statisticians, psychologists, sociologists, market researchers, landlords, bureaucrats, captains of industry, bankers, governors, commissars, kings and presidents are perpetually forcing this Damned Thing into carefully prepared blueprints and perpetually irritated that the Damned Thing will not fit into the slot assigned to it.
    The theologians call it a sinner and try to reform it.
    The governor calls it a criminal and tries to punish it.
    The psychotherapist calls it a neurotic and tries to cure it.
    Still, the Damned Thing will not fit into their slots.

    – Never Whistle While You’re Pissing,
    by Hagbard Celine, H.M., S.H.

    Und bezüglich des Yin/Yang-Dualismus: da ist es gerade so, dass es das eine nicht ohne das andere gibt. Oder wie du es mit deinem “männlich” und “weiblich” gerne hättest: jeder Mensch / jedes Ding hat “yin” und “yang” Teile. Ein Stock hat zwei Enden, welches ist Yin, welches ist Yang? Antwort: Der Stock ist wichtig!

  8. Jokerine
    am 2. 12. 08 um 16:2

    Missingno, danke für die Verse.

    Alles hat Yin und Yang Teile, aber trotzdem ist es ein Dualismus. Es werden Dinge gegeneinander gesetzt. Aber es ist richtig, es ist nicht das beste Beispiel. In den großen Monotheistischen Religionen ist es aber in sofern schlimmer, dass eine Hälfte des Dualismus stark marginalisiert wird.

  9. Julia
    am 6. 12. 08 um 14:6

    Nein. Schwachsinn. Es macht definitiv Sinn. Die Natur macht keine Fehler in solch gravierenden Dingen. Das Problem ist nicht die Natur, die uns in weiblich und männlich eingeteilt hat, sondern der Mensch, der seine Rolle auf der Welt nicht annehmen möchte, weil er sich selbst zu wichtig nimmt. Eine Zeit lang mag es ja ganz ,,cool” sein, sich gegen bestimmte Dinge zu stellen und großspurig davon zu reden, dass das alles Quatsch ist und man jetzt einen individuellen, freien Weg geht. Aber im Grunde genommen sucht man nur nach einem Weg, die eigenen Defizite nicht anzuerkennen zu müssen. Aus der Not mache eine Tugend. Denn es ist sehr wohl wichtig, sein Geschlecht anzunehmen und die dazu gehörigen Konsequenzen. Nicht unbedingt für gesellschaftliche oder andere Zwecke, sondern schlichtweg für uns selbst.

  10. Jokerine
    am 6. 12. 08 um 22:6

    Liebe Julia, ich finde es schon sehr gewagt, mir auf meinem Blog an den Kopf zu werfen ich würde Schwachsinn reden. Das ist ein typisches Totschlagargument, welche in der Regel dazu dienen Diskussionen durch Irrationalität zu ersticken.

    Nichts destotrotz: Die Natur macht durchaus Fehler, z.B. wenn sie einem Menschen ein kaputtes Herz gibt. Es ist gut, dass wir das beheben können. Es ist allerdings falsch, der Natur übel zu nehmen, dass sie diesen Fehler gemacht hat. Die Natur ist eine Einheit ohne Sinn und Bedeutung, eine Einheit die wir dazu machen, der nur wir einen Willen und menschliche Eigenschaften zuschreiben.

    In der Natur kommen verschiedene Anordnungen von Organen, Chromosomen, Genen und Hormonen vor. Eine bestimmte Anordnung davon haben wir als männlich definiert und eine gewisse andere als weiblich. Natürlich haben diese Unterschiede nur bei der Reproduktion eine Bedeutung. Alles andere ist künstlich und menschen gemacht. Man kann sicher argumentieren, dass dies einen gewissen gesellschaftlichen Sinn erfüllt, allerdings erfüllt dies mit Sicherheit keinen natürlichen Sinn.

    Oder möchtest du mir erzählen, dass die Natur vorgesehen hat, dass ich in Stöckelschuhen herumlaufe?

  11. Julia
    am 6. 12. 08 um 23:6

    Hallo Jokerine :),

    also erstmal nehm mir bitte das Wort ,,Schwachsinn” nicht übel. Entschuldige mich gerade mal schnell dafür. Nichts destro trotz… du führst einen Blog im Internet, du teilst der Welt deine Gedanken mit – da musst du auch damit rechnen, dass andere dich provozieren werden, denn du provozierst ja ebenso.

    Natürlich macht die Natur Fehler. Aber der Mensch sollte sich nicht anmaßen, die elementaren Dinge, die von ihr geschaffen wurden und die uns das Leben erst ermöglichen, zu kritisieren. Das steht uns schon allein deshalb nicht zu, weil wir das komplette Ausmaß gar nicht kennen – nie ganz kennen werden.
    Natürlich hat sie dir nicht vorgeschrieben, dass du in Stöckelschuhen herum laufen musst. Aber das ist auch nicht die wirkliche Weiblichkeit.
    Vielleicht sollte man das erst einmal definieren.

    Stöckelschuhe, Make-Up, Kleidchen… ist es das, was für dich Weiblichkeit ausmacht? Ich laufe den ganzen Tag mehr oder weniger in eingesauten Jeans und abgelatschten Turnschuhen rum, schminke mich nie und mene Haare sind ein wucherndes Etwas. Bin ich deshalb weniger weiblich als andere Mädels, die sich schminken und schick machen?
    Das wäre ziemlich oberflächlich, oder nicht? Weiblichkeit ist etwas ganz anderes – eine Art ursprüngliches Gefühl, etwas, das uns einfach begleitet, was wir ausstrahlen. So wie Männer ihre Männlichkeit haben, womit ich jetzt nicht die halbnackten Bauarbeitertypen meine. Habe ich deinen Beitrag richtig verstanden, wenn du unterschwellig meinst, dass Kinder kriegen beispielsweise für dich etwas unfaires ist? Nach dem Motto, du musst es tun, obwohl du es nicht willst? Glaubst du, dass du in der Lage bist, überhaupt bewusst zu fassen, was du unbewusst so tust und auch willst? Man tut sich selbst keinen Gefallen, wenn man sich gegen alles wehrt, nur weil man (noch) nix damit anfangen kann.

    Denn Weiblich- und Männlichkeit ist etwas, das von der Natur geschaffen wurde, um unser Überleben zu sichern. Das hat nichts mit dem kaputten Herzen zu tun. Ein kaputtes Herz passiert – aber deshalb ist nicht das ganze Organ an sich eine komplette Fehlfunktion. Wenn eine Frau – oder ein Mann – seine Weiblichkeit bzw. Männlichkeit bestreitet, sie abstreifen und loswerden will, dann beschneidet er sich selbst, insofern er nicht gerade ein Transsexueller oder andersweitig orientierter Mensch ist. Und glaub mir, ich weiß, wovon ich rede, ich hatte diese Phase nämlich auch. Von wegen, wozu soll ich sein, was die Gesellschaft mir vorschreibt? Ich fand Weiblichkeit furchtbar – und war doch unfreiwillig die Weiblichkeit in Person. Ich habe zeitweilig ein ziemlich abstraktes und abstruses Bild abgegeben, verwirrte meine Umwelt und eckte dauernd an. Ich selbst war ich deshalb noch lange nicht. Und gekannt hab ich mich zu der Zeit auch nicht. Manchmal hat man einfach nur Angst, etwas anzunehmen, was man ist, weil man die Verantwortung scheut, die es mitbringt. Oder weil man Minderwertigkeitskomplexe hat.

    Und künstlich und menschlich gemacht? Na, wohl kaum. Ich glaube nicht, dass Tiere sich – so wie der Mensch, wie du es sagst – ihre Rollen und Verhaltensweisen aussuchen. Und was ist das überhaupt, künstliche Weiblichkeit bzw. Männlichkeit? Das musst du mir erstmal genauer ausführen, so ganz kann ich dir da auch nicht folgen? Mal davon abgesehen, dass wir doch gar nicht genau wissen, was denn alles so gesellschaftlich und künstlich ist. Der Mensch ist ein Rudeltier und hat sein Bewusstsein entdeckt. Und deshalb hält er sich für besonders klug. Aber das ist auch schon alles.

  12. Missingno.
    am 7. 12. 08 um 0:7

    Dualismus ist durchaus etwas “natürliches”. Aktio und Reaktio, positiv und negativ, magnetischer Nord- und Südpol, … oder ganz abgefahrene Sachen wie der Teilchen-/Welle-Dualismus. Am Dualismus an sich ist auch nichts schlimmes. Die ganze Natur ist ein Dualismus. Aber, und das schreibst du ja auch selbst, sie ist in sich eine Einheit.
    Und ich denke, auch in den meisten Religionen ist ein solcher Dualismus zu finden. Ich persönlich ‘mag’ ja die Theorie vom “Kugelmenschen”, falls das hier ein Begriff ist?

    Ach ja, läufst du wirklich wider deinen Willen den ganzen Tag in Stöckelschuhen herum, nur, weil dir das Attribut ‘weiblich’ gegeben ist?
    Es ist überhaupt interessant, wieso es (manchen) Frauen so viel Spaß macht in Stöckelschuhen herum zu laufen. Männer sieht man damit ja nicht, weil das “nur für Frauen” ist und außerdem denke ich, dass es den meisten viel zu unbequem wäre. Mann quält sich ja sogar, wenn es zu einem bestimmten Anlass mal die “guten” Schuhe sein sollen, weil die eben nicht so bequem sind wie die ausgelatschten Schlappen, die man sonst an hat. Aber Frauen scheinen freiwillig dieses Schuhwerk zu tragen. Einige haben sogar 100 Paar davon im Schrank stehen. Warum?
    Das ist doch eine mehr oder weniger bewusste Entscheidung.

  13. Julia
    am 7. 12. 08 um 13:7

    Kugelmensch? Nein, sorry, mir ist das leider kein Begriff. Willst du ihn erklären? :)

  14. Missingno.
    am 7. 12. 08 um 14:7

    Klar, kann ich versuchen (bitte nicht hauen, wenn es jetzt nicht ganz korrekt ist):
    Im Prinzip zielt es darauf ab, dass Gott den Menschen als sein Ebenbild erschaffen hat, als Mann *und* Frau. Diese Mann-Frau-Einheit ist sozusagen der Kugelmensch (Kugel, weil vollkommen runde Sache ;)). Der Kugelmensch ist natürlich in seiner Vollkommenheit glücklich und zufrieden und deswegen hat er auch Neider. Und ein ebensolcher “zerschlägt” nun den Kugelmenschen in zwei Teile: Mann und Frau (sozusagen). Als Einzelteil sind diese aber weder glücklich noch vollkommen, also suchen sie immer ihr Gegenstück; den Teil, der die Kugel wieder komplettiert. Das schwierige ist natürlich, dass man das genaue Gegenstück finden muss. Wenn es irgendwo nicht passt, dann eckt man an oder es bleiben Lücken/Risse.

  15. Andrea Mayer-Edoloeyi
    am 7. 12. 08 um 23:7

    Ich habe gleich einen längeren Kommentar verfasst, aber bei mir im Blog, weil es durch den Predigttext länger ist und sich die Debatte sowieso für einen Blogeintrag anbietet ….

    http://andreame.at/node/182

  16. Julia
    am 8. 12. 08 um 21:8

    ach, das mag ich, die Theorie :)
    danke für die Aufklärung!

  17. taty
    am 18. 06. 09 um 7:18

    hi

    ich meine jede kann laufen wie es will es ist sache der individualität und persönlichkeit ohne jetzt ein ist dummer als die andere…
    man ist zufrieden mit sich oder nicht
    wenn nicht dann sollte man lernen sich selbst zu lieben dass mann anderen liebe australlen kann / moechte….