Indien ist … (2)

Paula, 25. 11. 07|18:Nov

Prayer at Hari-ki-PauriNachdem wir Delhi verlassen hatten fühlte ich mich besser. Wir nahmen den Shatabdi Express, die schnellste Sorte in Indien. Nicht so schnell wie ein ICE. Im Zug trafen wir allerdings einen sehr netten Einheimischen der froh war uns alle Fragen die wir hatten zu beantworten und uns schlussendlich sogar zu sich nach Hause, in Dehradun, Hauptstadt von Uttrakhand einlud. In Uttrakhand war unser erster Halt Haridwar, eine heilige Stadt am Ganges, welcher eigentlich Ganga heißt und weiblich ist. Indien auch, es ist das Mutterland. Haridwar ist ein kleiner Pilgerort, wo Vishnu angeblich einige Tropfen himmlischen Nektars in den Fluss hat fallen lassen. Jeden abend um Sonnenuntergang werden am Hari-ki-Pauri Ghat, dem spezifischen Einschlagsort der Tropfen, Gebete gehalten. Danach lassen Familien, Pilger und Pärchen kleine Blumenboote mit Lichtern den Fluss mit einem Wunsch herunterschwimmen. Manche baden auch. Wir sind nur mit unseren Füßen in die Ganga getreten. Später hat uns eine Familie aus Tamil Nadu einige in Gangawasser getauchte Zuckerkristalle gegeben, zum essen. Wir hatten mit ihnen geredet und sie wollten mit uns diesen besonderen Moment teilen. Es war zauberhaft. Sonst gingen viele arme Frauen und Männer umher die uns eine Bindimarkierung auf die Stirn malen wollten. Dafür wollten sie Geld. Ansonsten haben wir uns in der Stadt einige Tempel angesehen, die waren seltsam. Mir erschien es wie sehr viel Hocus-Pocus, Orte an denen man Vergebung und Glück kaufen konnte.

Einen Tag haben wir das Angebot unseres Reisegefährten angenommen. Erstmal sind wir jedoch nach Mussoorie gefahren. Das ist eine Bergstation in den Ausläufern des Himalaya. An klaren Tagen kann man bis zu den schneebedeckten Spitzen des Daches der Welt schauen. Wir hatten Glück und hatten einen klaren Tag erwischt. In Mussoorie war die Luft sehr klar, wegen der höhe über 2000 m und weil es Restriktionen auf motorisierte Gefährte gibt. Das erste was wir machten war frühstücken. Nachher gab uns die Dame des Hauses einen Teller mit Poori und Halwa und so komischen Kichererbsen, deren Name mir nicht mehr einfällt. Es war Teil eines Hinduistischen Rituals. Traditionell gibt man das Essen was nach einem Ritual übrig ist anderen Leuten weiter. Es war wunderbar, besonders die frittierten Poori. Wir sind dann ein bisschen im Netz surfen gegangen., haben einen Spaziergang gemacht und haben eine Seilbahn zum höchsten Punkt der Stadt genommen. Von dort hatte man einen fantastischen Blick auf das Himalaya und runter in die indische Ebene. Wir verbrachten auch ein bisschen Zeit damit Kuchen aus einer Bäckerei zu verputzen. Gegen Abend packten wir ein paar Süßigkeiten ein und machten uns auf den weg zu unserer Bekanntschaft. Es war toll ihn und seine Familie zu treffen. Er hat zwei Söhne, elf und dreizehn, die eifrig viele Fragen stellten. Wir sind zum Abendessen geblieben und schafften gerade so den letzten Bus mit einer Einladung bald wieder zu kommen. Auch wir haben sie eingeladen, wobei dies eher unwahrscheinlich ist. Eine Reise nach Europa ist für eine mittelklasse-indische Familie kaum zu bezahlen. Es scheint wir sind privilegiert solche Erfahrungen machen zu können.

Am letzten Tag sind wir noch nach Rishikesh gefahren, ein Ort voller Ashrams, Yogalehrer und noch mehr Tempeln. Es gefiel mir nicht besonders. Es fehlte die Magie des rustikaleneren Haridwars. Es war auch der Tag an dem wir aus dem Norden zurück nach Delhi fuhren, aber nur um dort eine Nacht zu warten auf der Reise nach Agra.

Hier sind mehr Bilder.

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