dremma ____________________________________________________________________

Der Du-Kannsts-Nicht-Faktor

Paula, 02. 12. 07|20:Dez

Wie oft hast du schon gehört „Das kannst du nicht, du bist eine Frau“? I weiß, dass ich es schon unzählige Male gehört habe. Meistens im Zusammenhang damit, dass ich Wissenschaftlerin bin, oder eine sein will? Manchmal ist es auch anders formuliert. Dann erscheint es als „Wow, du bist eine Frau. Und ein Wissenschaftler.“ Oder „Möchtest du nicht lieber etwas weiblicheres machen als Chemie?“ Oder als das allumfassende, böse „Frauen sind weniger begabt als Wissenschaftler.“ Manchmal werden die Arschhüte dafür entlassen, aber nur wenn sie prominent sind. Wenn es nur ein Postdoc ist, der mit einer Diplomandin redet, dann kräht kein Hahn danach. Trotz all des negativen Balast gibt es Wissenschaftlerinnen und Frauen die welche werden. Um einmal die Debatte über solche Aussagen hinter uns zu lassen[1] möchte ich schauen wie solche Aussagen die Entscheidung Wissenschaft zu studieren beeinflußt.

Ich habe nur anekdotsiche Beweise, aber ich habe einige Frauen getroffen die versessener darauf waren Wissenschaften zu studieren nachdem ihnen jemand gesagt hat sie können es nicht. Ich nenne ihn jetzt den Du-kannsts-nicht-Faktor. Er wirkt in allen Situationen, in denen eine Person sagt, dass du X nicht kannst und du dann versuchst X zu tun bis es klappt, nur ums der Person zu zeigen.

Aber der Du-kannsts-nicht-Faktor wirkt nur dann wenn es etwas zu multiplizieren gibt. Eine Person muss schon WissenschaftlerIn sein wollen damit der Faktor zum tragen kommt. Sie muss stark sein. Dann können so schmähende Aussagen antreiben, sie können Ambitionen erzeugen und Motivation geben, wenn es ansonsten dürftig ist. Wenn jemand allerdings eh schon gegen Wissenschaften eingestellt ist, dann werden die Statements sie zum aufhören bringen. Die Aussagen werden sie zermürben und zum Glauben bringen, dass sie tatsächlich nicht gut genug sind. Zwar habe ich den Faktor schon erlebt, aber auch viele Frauen aufhören sehen.

Tja, eigentlich wollte ich einen netten Beitrag schreiben, darüber wie man die Debatte überwinden kann, aber was solls? Es läuft darauf hinaus, dass es egal ist, ob Frauen biologisch das sind und Männer etwas anderes, denn es sind selbsterfüllende Vorhersagen. Wenn man etwas oft genug sagt, wird es wahr.


  1. Waren dumm, sind dumm, werden immer dum sein []

7 Reaktionen auf “Der Du-Kannsts-Nicht-Faktor”

  1. Diana
    am 2. 12. 07 um 21:2

    Gibt es einen bestimmten Vorfall der diesen Wutausbruch ausgelöst hat? oO *knuddel*
    Lass dich nicht unterkriegen, du bist toll!

  2. Jokerine
    am 2. 12. 07 um 21:2

    Nee, nur allgemeiner Frust ;)

  3. Katrin
    am 3. 12. 07 um 18:3

    Hi Süße,
    was ist los, wen soll ich verhauen?

    Ich habe das so direkt noch nie gehört. Das geht viel subtiler. ZB wird da die soziale Kompetenz gelobt und die mangelnde Durchsetzungsstärke gemeint usw. Aber am Ende des Tages zählen die Resultate und Deine Einschätzung derselben, sonst nichts.
    Und im Übrigen wissen wir ja: Frauen sind klug, mutig , stark und schön.
    Küßchen,
    Mama
    Hi Sweetheart,
    whats wrong, whom shall I beat up?

    I haven’t heard it that directly before. That happens much more subtly. For example the social competency is comended, but the missing assertiveness is meant etc. But at the end of the day the results count and your assesment of them, nothing else.
    And after all we know: Women are smart, brave, strong and beautiful.
    Kisses
    Mom

  4. Johannes
    am 12. 12. 07 um 11:12

    Ich bin auch Wissenschaftler in einem Ingenieurfach. Etwa ein Drittel der Doktoranden hier sind Frauen. Unter den vier Assistenten ist eine Frau. Solche Sprüche in denen etwas wie “du als Frau” oder ähnliches vorkommt, habe ich noch nie gehört. Ich bin zwar ein Mann deshalb sagt sowas niemand zu mir direkt, aber ich würde es doch mitbekommen, wenn das einer Frau hier öfter widerfährt.

    Die Ablehnung die Frauen in wissenschaftliche und technischen Berufen von Männern erfahren ist größtenteils Legende. Die existiert in der Form, wie immer getan wird, nicht. Und die Pflege dieser Legende führt dazu, dass immer weniger Frauen den Mut haben, eine natur- oder ingenieurwissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen.

  5. Jokerine
    am 12. 12. 07 um 12:12

    @Johannes: “Du als Frau”-Sprüche hört man selten von den Kollegen, sondern ehr ausserhalb der Arbeit. Das kann dazu beitragen, das du sie nicht hörst. Mir hat tatsächlich mal ein Kollege gesagt, dass Frauen an sich dümmer, bzw. ungeeigneter für den Wissenschaftlichen Betrieb geeignet sind. Das ist aber eine andere Geschichte (die ich vielleicht mal Posten sollte).

    Was die Ablehnung oder geringschätzung von Frauen in Ingenieurswiss. angeht, da verweise ich n Katrin. Die hat da schon manche tolle Story parat.

    Worauf ich mich aber auch bezog, ist, dass Mädchen zu Schulzeiten oft gesagt wird, dass sie dies oder jenes nicht können. Sachen, die Voraussetzung für ein Ingenieursstudium sind. Daraus ergibt sich die Wahl eines anderen Faches von selbst.

    Johannes, ich mache dir einen Vorschlag: die nächsten drei Monate schaust du bei dir am Institut mal aktiv wie sich die Menschen untereinander Verhalten, wie Aufgaben verteilt werden, wer welche Sorte macht. Wer sich wieviel zutraut, wer sein unwissen zugibt, etc. Dazu fragst du die 1/3 Doktorandinnen nach ihren Erfahrungen zu dem Thema ohne , das ist ganz wichtig, dass du ihnen antwortest, dich verteidigst solltest du dich angegriffen fühlen, oder dich rechtfertigst. Nimm einfach auf. Wenn du das gemacht hast, würde ich gerne deine Beobachtungen hören und deine Analyse derselbigen. Kann ja sein, dass ihr wirklich egalitär und meritocratisch seid, dann wüsste ich gerne wie ihr das macht.

    Ich mache den Vorschlag deshalb, da viele dieser Ereignisse um die es geht subtil passieren und nicht offensichtlich. Deshlab kann es sein dass du sie einfach übersiehst. Es kann aber auch nicht sein.

  6. Johannes
    am 12. 12. 07 um 12:12

    @Jokerine: Was ich dir als Mann aus eigener Erfahrung raus auch sagen kann ist, dass Jungen zu Schulzeiten mindestens genauso oft gesagt wird, dass sie dies oder jenes nicht können. Glaub mir, heutzutage als Junge aufwachsen bedeutet, im Glauben aufzuwachsen, dem minderwertigen, niederträchtigen Geschlecht anzugehören. Und das meine ich jetzt in keiner Weise polemisch.

    Auf deinen Vorschlag mit dem Beobachten und Kolleginnen nach Erfahrungen fragen, gehe ich gerne ein und werde dir das Ergebnis mitteilen. Hier im Blog?

    Übrigens habe ich zwei Schwestern, eine ist Informatikerin, die andere Physikerin. Meine Mutter ist Informatikerin.

  7. Jokerine
    am 12. 12. 07 um 13:12

    Ich sprech dir auf gar keinen Fall ab, dass es auch schwer ist als Junge aufzuwachsen.

    Ich freu mich schon auf deinen Bericht, gerne hier im Blog.

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