Web 2.0 meets Uni (Barcamp Köln #4)
Paula, 21. 08. 07|11:AugDas ist ein Mashup meiner ersten eigensten Barcamp Session. I muss schon sagen, dass sie super war. Das hat natürlich nix mit meinem eigenen Beitrag zu tun, sondern derer der andern[1] Leute. Der Sinn war zu diskutieren, ob und wie online Angebote das lernen der Studenten verbessern könnten.
Wir unterrichten (anorganische) Chemie für Physik- und Biologiestudenten. Das Praktikum besteht aus drei Teilen. Teil eins ist ein wöchentliches Seminar in welchem die Experimente und die Hintergründe dazu besprochen werden. Danach folgt ein Antestat in dem abgeprüft wird, ob die Studenten wissen was sie tun, warum sie es tun und was sicherheitsrelevant ist. Zum Schluss gibt es noch das Experiment selbst. Eines der Experimente ist ein Präsentationsversuch in dem die Studenten zehn Minuten Zeit haben einen Versuch zu erklären und ihn vor zuführen. Diese Versuche sind meist bunt und toll. Am Schluss gibt es noch eine schriftliche Klausur und eine mündliche Prüfung. Die Note der mündlichen Prüfung zählt allein fürs Vordiplom. Das ist also die Situation in der ich mich befinde.
Die erste Frage die ich untersuchen will ist, was die einzelnen Teilnehmer am Praktikum motiviert. Es gibt die Studenten (60 bis 90 pro Semester), die Assistenten (9) und die Praktikumsleitung (2). Die Studenten wollen, denke ich, nur bestehen. Normalerweise haben sie sehr viel zu tun neben dem Praktikum und da nur die Prüfungsnote zählt, warum sollten sie mehr Arbeit reinstecken. Generalisierte Aussagen sind immer problematisch und es gibt durchaus Studenten die mehr über Chemie lernen wollen. Die Assistenten wollen einen netten Job haben, der nicht zu viel Arbeit kostet. Viele sind stolz auf gute Studenten, oder solche die Fortschritte machen. Die Leiter wollen, auch, das die Studenten durchkommen. Nebenbei wollen sie auch gute Wissenschaftler ausbilden. Der letzte Punkt ist wichtig. Wir sind die ersten die sie in die praktische Wissenschaft einführen, es ist unsere Aufgabe die Saat der guten Wissenschaft zu sähen. Ich möchte außerdem Kreativität fördern. Im Moment passiert da nicht so viel. Es gibt viele Barrieren wie Hierarchie und Angst.
Die zweite Frage beschäftigt sich damit wie ich neue Technik benutzen kann um die Barrieren zu erniedrigen. Das hat eine gute Diskussion erzeugt. Wir haben uns über ein Blog als Nachrichtenstelle unterhalten und als einen Ort an dem die Studenten auf jeden Fall gehört werden. Ein Blog das nur ein Newsticker ist, ist aber langweilig und müsste mit mehr Inhalt gefüllt werden. Einen Moment träumte ich davon Bloggen als Teil meiner Arbeit zu haben. *seufz* Die Frage ist, ob die Studenten das Angebot nutzen würden. Eine andere Option wäre es die Studenten bloggen zu lassen. Ich fürchte, dass das keine gute Lösung ist, wegen der kurzen Zeit in der die Studenten im Labor sind, elf Wochen. Eine andere Option wäre ein eLearning Portal. Das ist aber mit viel technischer und inhaltlicher Arbeit verbunden. Eine einfachere Option wäre ein Wiki für die Studenten um ihnen beim Kooperieren zu helfen. Ein Abkömmling dieser Idee war ein digitaler Spickzettel. Studenten könnten zusammen arbeiten und es später mit in die Prüfung nehmen. Es sollte aber immer noch individualisierbar sein. Ich denke das ist eine super Idee, die Studenten in mit einem einseitig, handschriftlich beschriebenen A4-Blatt in die Prüfung zu lassen. In einem Wiki ist jede Seite mit einer Diskussion gekoppelt. Hier könnten Fragen gestellt werden die innerhalb von 24h von einem Assistenten beantwortet würden. Eine andere Option wäre es einen Chat zu festgelegten Zeiten in der Woche zu haben in dem das Praktikum diskutiert würde. Man könnte es sogar über Meeboroom in die Praktikumsseite integrieren. Das hätte den Vorteil, dass die Studenten nicht extra an die Uni kommen müssen um zu fragen und hätte das Extra, dass sie anonym bleiben können. Oft tun die (nonverbalen) Reaktionen der Assistenten einiges dazu die Studenten zu entmutigen. Sie denken dass sie dumme Fragen in ein schlechtes Licht rücken und dass wir denken, sie seien blöd. Mit ausschließlich Buchstaben wäre da viel reduziert. Ich mag die Idee irgendwie.
Es gibt viel worüber ich noch nachdenken muss wenn ich das Praktikum verändern will. Ich weiß nicht genau was meine Grenzen sind die von der Physikerfakultät und der Uni auferlegt werden. Das erste was ich machen werde, ist ein Wiki für die Assistenten einzurichten wo wir Skriptveränderungen und so besprechen können. Es wird auch eine Seite haben darüber was wir mit den Studenten erreichen wollen. Danach bin ich mir noch nicht sicher.
- ca. 10 [↩]
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