Seit einiger Zeit arbeite und lerne ich mit ein paar Leuten zusammen um die Welt zu verbessern. Das klingt für viele vielleicht anmaßend, aber warum sollten wir uns geringere Ziele setzen? Wer die Welt mitverbessern will der kommt bitte hierlang zu den Neuronen.
Hier ist eine Email die ich an die Runde geschrieben habe zum Thema ob Blogs zu statisch und einseitig sind und wie man Partizipationsfähigkeit vermittelt.
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Guten Morgen.
Für mich hat es lange gedauert diesen Sprung ins Web2.0, also die Interaktion, zu machen. Dabei hat mir das selbstständige Bloggen sehr geholfen. Ich bin in sofern gehemmt, dass ich oft glaube, dass meine Ansichten weniger wichtig sind oder mein Beitrag nicht wertvoll. Das Problem musstest du, JPM, auch erst mal bei mir überwinden.
Anyway was ich eigentlich sagen wollte: Um im Netzt erfolgreich zu sein, insofern Erfolg als “etwas lernen” oder “eine Kollaboration verwirklichen” definiert ist, muss man sich öffnen und zulassen das man auch mal etwas Dummes von sich gibt. Es gibt einige Einträge in meinem Blog, Kommentare die ich hinterlassen habe, etc. die mir im nachhinein dumm oder peinlich erscheinen, ABER aus der Interaktion habe ich gelernt, bessere Argumente und neue Ansichten mitgenommen. Das schlägt sich natürlich auch in den Beiträgen meines Blogs wieder, sowie in der Kommunikation in anderen Kanälen.
Ich weiß nicht ob viele Menschen sich passiv berieseln lassen weil sie das so wollen, oder weil sie es nicht anders kennen. Deshalb finde ich die Idee Studentinnen zum Bloggen zu “zwingen” wie es Christian getan hat auch gut. Bloggen ist auf dem Weg zum interaktiven Medium Web 2.0 eine wunderbare erste Station, weil es einem einiges an Kontrolle gibt, die man nach und nach loslassen kann. Jemand der bloggt und den Text erst mal statisch so stehen lässt gibt zumindest mal was ins Netz zurück, im Gegensatz zu denen die sic nur berieseln lassen.
In der Kommunikation mit euch geht mir langsam auf wie arg wir/ich als Zombie erzogen worden bin. Nicht unbedingt von meinen Eltern die lange öffentlich aktiv waren, aber von der Gesellschaft im allgemeinen. Ich bin im Grunde meiner Sozialisierung ein Konsumenten-Zombie. Zum Glück lässt sich meine kreative Natur nicht so leicht unterdrücken. Wenn wir also bei den jetzt Aufgewachsenen Partizipationsfähigkeit erzeugen wollen, müssen wir uns dieser Zombienatur bewusst sein. Auch in der Lehre der jüngeren Noch-Nicht-Zombies müssen wir uns bewusst sein, dass wir selber als Zombies sozialisiert sind und es sehr leicht ist auf dieses Verhalten zurück zu fallen.
Ein Beispiel dafür ist mir gerade gestern erst untergekommen. Im Rahmen meiner hochschuldidaktischen Fortbildung hatte ich eine Lehrhospitation und eine der Fragen in der Feedbackrunde war, welches Bild von Wissen sich in meinem Lehrstil wiederfindet. Die Antwort des Hospitierenden wie auch meine war, dass ich vor allem eine Rolle als Wissensvermittlern einnehme und, statt gemeinsam mit den Studentinnen das Wissen zu konstruieren, das Wissen als absolut weiter gebe. Das will ich aber gar nicht. Aber es war in der Situation, berieselt werden wollende Studentinnen, das einfachste auf die Lehrweise zurückzufallen mit der ich auch gelehrt worden bin.
In unserer Arbeit müssen wir eben das auch erkennen. Der Widerstand in der Welt da draußen ist immens, nicht weil wir aktive Gegner haben sondern weil wir, überspitzt gesagt, einer Horde Zombies gegenüber stehen.
Ich hoffe, dass klingt jetzt nicht zu pessimistisch, denn so ist es gar nicht gemeint. Ich bin zuversichtlich, dass wir viel erreichen können und jeweils in unseren Bereichen Partizipationsfähigkeit erzeugen können, wenn wir es nicht schon tun.
Gruß Paula.
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Schlagwörter:Neuron, Partizipationsfähigkeit, Zombies
4 Reaktionen auf “Email”
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am 14. 05. 08 um 20:14
Wie… zum Bloggen zwingen? o_O Geht das überhaupt?
Mir ist irgendwie noch nicht so ganz klar, was die Neuronen wollen… bzw, ob ich da was verloren habe. Ich lehre ja nicht.
am 14. 05. 08 um 21:14
Es ist nicht so wichtig zu Lehren sondern es ist wichtig das man die Welt verbessern will. Mit dem Aufräumblog lehrst du aber auch was.
Wenn man Bloggen als Hausaufgabe vergibt, dann ist das schon “gezwungen” (deshalb auch die Anfühungszeichen)
am 15. 05. 08 um 10:15
Jetzt müsste ich halt noch herausfinden was ihr so alles unter “Weltverbessern” versteht…
Ich weiß nicht ob es wirklich so sinnvoll ist, jemanden wie auch immer geartet dazu zu zwingen zu bloggen… weil ich denke dass qualitativ betrachtet was besseres rauskommt wenn man es aus eigenen Antrieb tut. Wenn jemand eigentlich nicht will, dann wird er sich weniger Mühe geben, als wenn er es freiwillig tut. Mir ist bei Blogs von Leuten, die meinten dass jetzt halt auch mal ausprobieren zu müssen (weils halt alle tun, nicht weil sie wirklich was zu erzählen hätten), aufgefallen, dass die Qualität meistens recht mau war, die Leute nicht wussten was sie überhaupt schreiben sollen, und die ganze Sache auch recht schnell einschlief.
Du hast ja auch lange nicht gebloggt… erst als du was zu erzählen hattest. :D
am 15. 05. 08 um 14:15
Was damit gemeint ist kannst du auf den Seiten erfahren oder unter diesem Link: http://www.ldl.de/material/auf.....2002-2.pdf
Die “gezwungenen” Studentinnen studieren Informatik an einer Pädagogischen Hochschule. Und in dem Seminar geht es um Computereinsatz in der Schule. Insofern ist das je eine passende Aufgabe. Hier ist ein Beispiel: http://zuunkreativ.wordpress.com/
Natürlich werden die, die keinen Bock haben aufhören, aber ein Teil scheint sich daran zu gewöhnen und es gut zu finden. Manchmal muss man auch mit der Nase auf die Möglichkeiten gestoßen werden die man hat.